Heute: schon zu

Rival Sons - Feral Roots

Als erstes Album möchte ich 2019 Rival Sons neuen Meilenstein „Feral Roots“ empfehlen. Das nunmehr sechste Album der kalifornischen Blues-Rocker hat das Zeug zum Klassiker und besticht durch das wahrscheinlich beste Songwriting der Bandgeschichte. Ich erinnere mich gut an das Jahr 2011 als ich Rival Sons durch ihr damaliges Album „Pressure & Time“ entdeckte und im gleichen Jahr ein Konzert in Hamburg besuchte.  Nach den ersten Takten konnte ich mich vor Begeisterung kaum halten: „Die sind so gut, die klingen Live ja sogar noch besser als auf Platte!“ Also die Bandgeschichte verfolgt, 3 Alben und zwei Konzertbesuche später sind wir also beim neusten Werk „Feral Roots“ angekommen. 
Wie auch die vorherigen Alben, seit „Pressure & Time“, wurde auch „Feral Roots“ von Dave Cobb produziert, aufgenommen und gemischt; sogar teilweise durch Songwriting und Instrumentalarbeit ergänzt. Jetzt denken Sie sich, sofern Sie schon die ein oder andere Rezension hier gelesen haben: „Dave Cobb kommt mir bekannt vor!“ In der Tat tauchte dieser Name schon in den Rezensionen von Anderson East oder Chris Stapleton auf. Eben deshalb spare ich mir nun größere Ausführungen zum Schaffen eines Dave Cobb und sage nur: Dave Cobb ist in meinen Augen einer der interessantesten Produzenten unserer Zeit!
Nun aber zum Album, aufgenommen wurde „Feral Roots“ größtenteils im RCA Studio A, eine legendäre Aufnahmestätte in Nashville. Nicht umsonst wurde Chris Stapletons Doppelalbum, welches ich letztes Jahr vorgestellt habe, nach diesem Raum benannt. Weitere Aufnahmen wurden im ebenfalls sehr guten Muscle Shoals Sound Studio in Alabama gefertigt.

Los geht es mit einem klassischen Rival Sons Titel, „Do Your Worst“ ist eine antreibende Hi-Energy Nummer mit schweren Gitarren Riffs und einem Chorus mit Ohrwurm-Charakter. Das ist DER Rival Sons Sound! Weiter geht es mit dem dritten Track „Back in the Woods“. Der Titel startet und nach ein paar Sekunden denkt man: „Wow! Das muss ein Nachfahre von John Bonham sein.“ In der Tat ist Michael Miley ein geradezu genialer Drummer, der viele Einflüsse aus Jazz und Soul hat; wie eben ein gewisser John Bonham damals. Speziell Live wird schnell klar, wie tight gerade die Rhythmus-Truppe der Rival Sons ist.
Der vierte Titel mit Namen „Look Away“, setzt mit einem orientalisch anmutenden, akustischen Instrumentalteil ein, bevor er zum harten Rocker mit eingängigen Melodien wird. Mir schießt hier sofort „Led Zeppelin III“ in den Kopf, wahnsinnig guter Song.
Beim fünften Track sind wir schließlich bei einem meiner Standout-Titeln angekommen, „Feral Roots“ ist für mich einer der besten Songs im gesamten Katalog der Band. Erneut kommt dieser Titel sehr „Led Zeppelinesque“ daher. Ein Akustik-Song, der im Chorus zum eingängigen Rocker wird und im Solo-Teil sehr frei atmet. Hier besonders zu beachten: die außergewöhnlich raffinierten Melodien und vor allem auch Harmonien!
Besonders frisch und modern kommt dann ein paar Nummern weiter „End of Forever“ daher. Durch das elektronische Schlagzeug wird hier perfekt der Bogen in die Moderne gespannt, vor allem bei einer Band, die sonst dafür bekannt ist, sich vor Ihren Helden vergangener Zeiten zu verneigen. Das tun die Rival Sons immer mit einem Blick auf die heutige Musikwelt, jedoch nie so modern und trotzdem klassisch wie auf „Feral Roots“.
Hierfür ist auch der letzte Song „Shooting Stars“ ein Parade-Beispiel. Mit Unterstützung des „The Nashville Urban Choir“ atmet dieser soulige Gospel-Song die 60er und 70er aus, ist mit der Produktion und Inszenierung jedoch absolut zeitlos. Dies bezieht sich auch im speziellen auf den Text, welcher aktueller und passender in Bezug auf das aktuelle (politische) Weltgeschehen nicht sein könnte.

Verfügbar ist „Feral Roots“ überall, ich empfehle den Tidal HiFi-Stream mit MQA-Qualität; oder noch besser und so wie es sich für diese Musik gehört, auf Platte.

 

Wie immer wünsche ich viel Freude beim Hören und kann nur wärmstens empfehlen, auch in den gesamten Katalog von den Rival Sons reinzuhören.